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Eine Stimme für die Natur!

Die österreichischen Luchse kommen nicht aus den Schlagzeilen. Diesmal aber gibt es Grund zur Freude. Erstmals gelang es uns einen der wenigen heimischen Luchse mittels Fotofallen-Technik ins perfekte Licht zu rücken. Ein Foto, das den Naturschatz Österreichs auf den Punkt bringt. Und das zur rechten Zeit!

...Sanfte Pfoten tapsen durch den frischen Schnee. Wo? – Fernab in den Wäldern des Nationalparks Kalkalpen in Oberösterreich. Normalerweise würden wir keine Notiz davon nehmen, aber eine technische Finte gibt einem geisterhaften Bewohner unseres Landes nun erstmals ein Gesicht.

Seit August 2016 wartet in den Kalkalpen eine unserer Spiegelreflexkameras, ausgestattet mit Weitwinkelobjektiv und Blitzen auf Besuch. Und wie kündigt sich dieser an? Mithilfe einer Fotofalle. Klingt nicht weiter kompliziert, wir können aber ein Lied davon singen, was beim Versuch Wildtiere mittels Spiegelreflexkamera-Fotofallen abzulichten, alles schief gehen kann.

Foto: Die Luchsfotofalle im Schnee.

Aus diesem Grund stapften unsere Fotografen Christine und Marc Anfang November ohne übergroße Erwartungen durch den hohen Schnee. Beim Kontrollieren der Speicherkarte blickten sie dann aber mindestens genauso erstaunt wie die Katze. Es hatte geklappt! Erstmals gelang ein hochauflösendes Fotofallen-Bild von einem heimischen Luchs!!

„Wir haben bereits an vielen Orten weltweit fotografiert, aber der Luchs ist für uns ein ganz besonderes Erlebnis. Er ist ein Teil der österreichischen Natur“, betonen die beiden.
Für den Nationalpark Kalkalpen erarbeitet das Leben am Limit - Team spannendes Foto- und Filmmaterial, das dazu beitragen soll, an der Wahrnehmung und am Umgang mit der Natur in unserem Land etwas zu verändern. Mit dem Luchs könnte das gelingen.

„Wir wissen sogar, welcher Luchs in die Fotofalle getappt ist“, ergänzt Luchs-Experte Christian Fuxjäger aus dem Nationalpark Kalkalpen. „Der Sender um den Hals und das Fleckenmuster verraten uns, dass es sich um das Weibchen Skadi handelt.“

1998 stellte der Nationalpark fest, dass zumindest einer, möglicherweise sogar drei Luchse durchs Gebiet wanderten. Zu wenig, um von einem stabilen Bestand zu sprechen, zu viel um internationale Artenschutzabkommen zu ignorieren. Was war die Konsequenz? Die Freilassung von bisher drei Wildfängen aus der Schweiz, darunter das Weibchen Freia und das Männchen Juro. Sie sind die Eltern von Skadi, einer von fünf Luchsen, die heute durch den Nationalpark streifen. In ganz Österreich sind es etwa 15 bis 20 Tiere. Nicht viele, aber dennoch haben sie es alles andere als leicht.

Dem Nationalpark gehen heute nämlich vier bis sechs Luchsmännchen ab. In zwei Fällen ist die Lage eindeutig, es handelt sich um illegale Abschüsse. Die Wilderer wurden heuer, kurz bevor die Fotofalle ihre Arbeit begann, rechtskräftig verurteilt. Eine Schadenersatzklage des Nationalparks wurde jedoch abgeschmettert. Die Begründung: Ein Wildtier sei kein Eigentum. „Tatsächlich ist dem Wiederansiedlungsprojekt aber ein enormer Schaden entstanden. Die gesamten Kosten für eine Auswilderung belaufen sich auf rund 35.000 Euro pro Tier“, betont Nationalpark Direktor Erich Mayrhofer.

Das letzte Wort in der Causa ist noch nicht gesprochen, momentan liegt der Spielball beim Obersten Gerichtshof, er entscheidet, ob doch noch Schadenersatz gezahlt werden muss. Wenn ja, wäre das mehr als nur Schmerzensgeld für Juro, einem der beiden gewilderten Luchse. Es wäre ein klares Bekenntnis zum Artenschutz.

Es braucht aber noch mehr in Österreich: Einen größeren gesetzlichen Schutz für stark gefährdete Tierarten und die Erkenntnis, dass Wilderei alles andere als ein Kavaliersdelikt ist. Vielleicht kann Skadi der nötige Stein des Anstoßes sein. Warum? „Weil auch das Österreich ist, einzigartige Natur, die es wert ist, geschützt zu werden“, betonen Marc Graf und Christine Sonvilla. Skadi gibt der heimischen Natur und ihren Artgenossen ein Gesicht. Wir können ihre Stimme sein :-)

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