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Dem Luchs auf der Spur – Unterwegs mit Luchsforscher Christian Fuxjäger

In den Tallagen hat es zwar wieder abgeapert, weiter oben, auf rund 1400 Meter Seehöhe hält sich der Schnee aber bereits. Gut so. Als wir losstapfen, dauert es nämlich nicht lange, bis uns die ersten sehr verdächtigen Spuren ins Auge fallen. Manchmal ist einem das Glück eben hold. Es sollte nicht das letzte Mal an diesem Tag sein.
„Ja, das ist eindeutig eine Luchsspur. Und ganz typisch für den Luchs sind die Zehenballen assymetrisch angeordnet, also leicht gegeneinander versetzt“, erklärt Christian Fuxjäger. Der Luchsforscher aus dem Nationalpark Kalkalpen ist den aparten Katzen seit 2001 auf der Spur, kennt die hier lebenden Tiere und ihre Routen wie kein anderer.

Foto: Eine Luchsspur im Schnee.

FÄHRTEN UND FOTOFALLEN

Fragt sich nur, wie es möglich ist, einem so scheuen und in Österreich noch dazu so seltenen Tier auf die Schliche zu kommen? „Im Winter geht das vor allem über das Kartieren von Fährten. Wenn eine Meldung eintrudelt, sehe ich nach und bekomme auf diese Weise wichtige Informationen über den Aufenthaltsort der Tiere“, sagt er. Wer glaubt, eine Luchsspur entdeckt zu haben, sollte neben den versetzten Zehenballen auch auf die Größe des Trittsiegels – etwa sechs bis neun Zentimeter Durchmesser – und potenzielle Krallenabdrücke achten. Katzen können im Gegensatz zu Hund oder Wolf ihre Krallen einziehen, die Luchsfährten sind in den meisten Fällen daher krallenlos.
„Meine Hauptarbeit läuft aber über die Fotofallen. Luchse haben eine individuelle Fellzeichung und mittels Fotobeleg lassen sie sich eindeutig identifizieren“, sagt Christian Fuxjäger. Verteilt über den ganzen Nationalpark arbeiten bis zu 30 Fotofallen gleichzeitig. Diese Wildkameras zeichnen Fotos und Filme der vorbeigehenden Tiere auf. Alle ein bis zwei Monate kontrolliert sie der Luchsforscher.

Foto: Verteilt über den Nationalpark arbeiten bis zu 30 Fotofallen zugleich.

Wann ist er eigentlich am aktivsten? „Besonders viel zu tun, gibt es für mich in der Zeit von September bis zum ersten Schneefall. Die Weibchen – sofern sie Junge haben – sind mit diesen nun unterwegs, die Reviere werden wieder abgesteckt, es wird nach möglichen Konkurrenten Ausschau gehalten und auch die Partnerwahl steht an. Im Spätnovember, Dezember beginnt nämlich die Frühpaarungszeit.“

LAKOTA LÄSST SICH BLICKEN

Die Spuren sind heute vielversprechend. Bei den letzten beiden Malen als Marc und ich – seit Sommer 2016 sind wir als Naturreporter im Nationalpark Kalkalpen unterwegs – Christian Fuxjäger begleiteten, um eine seiner Fotofallen auszulesen, hieß es leider Fehlanzeige. Diesmal aber – aller guten Dinge sind drei – klappte es tatsächlich. Luchsmännchen Lakota hatte nicht nur Spuren im Schnee hinterlassen, sondern auch ein Foto.

Foto: Es hat geklappt! Luchsmännchen Lakota hat sich mit einer Fotofalle sozusagen selbst fotografiert.

Lakota ist einer von momentan fünf Luchsen, die im Nationalpark Kalkalpen vorkommen. Drei von ihnen sind Weibchen, eines ist ein Männchen und vom fünften Tier lässt sich das Geschlecht noch nicht eindeutig bestimmen. „Vom Verhalten her vermuten wir, dass es sich ebenfalls um ein Männchen handelt. In jedem Fall ist dieser Luchs ein ‚Pendler‘, im Frühling 2016 ist er nämlich im Nationalpark Gesäuse fotografiert worden und im Sommer darauf wieder bei uns“, sagt Luchsforscher Fuxjäger.

Langsam aber sicher ziehen die Kalkalpen Luchse also größere Kreise und Christian Fuxjägers Augen glitzern freudig, wenn er sagt: „Der Nationalpark Kalkalpen ist gewissermaßen das Herz, von dem sich die Luchse wieder ausbreiten könnten. Platz gäbe es genug. Vom Wienerwald bis zur Tauernautobahn in Salzburg erstrecken sich Wälder zuhauf, es gibt kaum Hindernisse, keine größeren Verkehrswege oder Städte“ Eine Vision, die realisierbar ist.

Luchshistorie Nationalpark Kalkalpen & Bestand in Österreich
1998 konnte der Nationalpark Kalkalpen ein bis drei Luchse im Gebiet nachweisen und entschied sich daraufhin für eine Bestandsstützung. 2011 wurden die ersten Wildfänge aus der Schweiz, Luchsin Freia und Luchs Juro, freigelassen. 2013 folgte Luchsin Kora, ebenfalls aus der Schweiz. Im Nationalpark leben momentan fünf Luchse. In ganz Österreich gibt es geschätzte 15 bis 20 Luchse, zehn davon im Alpenraum und fünf bis zehn im nördlichen Mühl- und Waldviertel.
Foto: Christian Fuxjäger sucht einen Holztstamm am Wegesrand nach Luchshaaren ab.

Erstes hochauflösendes Fotofallenbild von heimischem Luchs
Im November 2016 gelang dem österreichischen Naturreportage-Duo Marc Graf und Christine Sonvilla erstmals ein hochauflösendes Fotofallenbild eines heimischen Luchses. Auf dem Bild zu sehen, ist Luchsin Skadi, ein 2012 geborenes Weibchen, das die Tochter der beiden im Nationalpark Kalkalpen freigelassenen Schweizer Wildfänge Juro und Freia ist.
Warum das so spannend ist, wo doch der Nationalpark selbst schon viele Fotofallenbilder mit Wildkameras gemacht hat? – Das mittels Spiegelreflexkamera aufgenommene Foto lässt sich auch groß als Poster oder Plakat ausdrucken, stellt eine unmittelbare Nähe zwischen Tier und Betrachter her und hat eine wichtige Naturschutzbotschaft. Luchs Juro, der Vater von Skadi ist einer der beiden Luchse, dessen Wilderer 2016 strafrechtlich verurteilt wurden. Skadi, seine Nachfahrin, gibt dem Anliegen der Luchse nun ein Gesicht, indem sie uns direkt anblickt. Wir formulieren ihre Botschaft: Es braucht stärkeren Schutz für stark gefährdete Tierarten wie den Luchs!

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